Bildung und Betreuung – Investitionen in die Zukunft.

Bildung und Betreuung waren lange Zeit eingeengt auf den Bereich der Sozialpolitik, kritisch auf Distanz gehalten von anderen Politikfeldern, nicht zuletzt wegen der hohen Kosten. Unser themenübergreifendes Stadtentwicklungskonzept hat die zusätzlichen Anstrengungen schon früher als in anderen Städten mehrheitsfähig gemacht. Als eine der ersten Städte haben wir die Kinderbetreuung organisatorisch nicht mehr dem Sozialen, sondern der Bildung zugeordnet. Unsere Kindertagsstätten haben seither einen umfassenden Wandel vollzogen. Heute steht die individuelle Förderung jedes einzelnen Kindes im Vordergrund.


Sprachliche oder andere Defizite werden gezielt angegangen, mit den Eltern besteht ein intensiver Austausch. Ergänzende Bewegungs- oder musische Angebote, vielfach in Kooperationen mit qualifizierten Vereins-Übungsleitern oder Musikschulpädagogen runden die Angebote ab. Und auch die Eltern selbst stehen zunehmend im Fokus der Kinder- und Familienzentren. Um die Sprachbarrieren noch wirksamer zu überwinden, wird Integrationsarbeit nicht nur mit Migrantenkindern, sondern auch mit deren Eltern geleistet. Unsere innovativen Ansätze, oft verstärkt durch Kooperationen mit der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg und finanziell teilweise unterstützt von Stiftungen haben mitunter bundesweiten Vorzeigecharakter bekommen. Die Anzahl der Betreuungsplätze für Kinder unter 3 Jahren haben wir bereits massiv ausgebaut, obwohl Bund und Länder immer noch keine ausreichende Finanzierung sichergestellt haben. Die Anstrengungen reichen aber trotzdem noch nicht aus, der bedarfsorientierte Ausbau muss weiter vorangehen !

Als Vorstandsmitglied des Städtetags Baden-Württemberg setze ich mich für eine angemessene Finanzierung ein, damit der Ausbau nicht weiter gegen die Generationengerechtigkeit verstößt. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir schon bald Fortschritte erreichen werden.

Optimale Bildungschancen sind ein wichtiger Aspekt sozialer Gerechtigkeit. Sie sind gleichzeitig unverzichtbare Voraussetzung für eine Wirtschaft, die aufgrund demografischen Wandels zunehmend mit einem Mangel verfügbarer Fachkräfte konfrontiert sein wird. Unser nachhaltiges Stadtentwicklungskonzept geht aus den unterschiedlichen Gründen noch deutlich über verbesserte Angebote an Kindertageseinrichtungen und Schulen hinaus. In den Sozialen Stadtteilen gibt es vielfältige Integrationsangebote. Und wo nötig, gehen wir auch die baulichen Strukturen an, wenn nur auf diesem Weg ausgewogene Sozialstrukturen erreichbar sind.

An den Schulen unserer Stadt haben wir bereits vor mehreren Jahren mit der Umsetzung eines umfassenden Schulsanierungs- und – erweiterungsprogramms begonnen. Die teilweise jahrzehntelangen Sanierungsrückstaus werden nun Schritt für Schritt abgebaut, Mensen für die zunehmenden Ganztagesangebote errichtet, ebenso geeignete Räume für die wachsende Kernzeitbetreuung. Denn für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist es unabdingbar, dass Mütter auch nach dem Wechsel ihrer Kinder vom Kindergarten in die Grundschule im selben Umfang berufstätig bleiben können.

Bedauerlich ist, dass die Architektur der 70er Jahre zum Teil ausserordentlich aufwändige Sanierungen erfordert. Das geht soweit, dass in Einzelfällen ein Abriss und auf die heutigen Bedürfnisse zugeschnittener Neubau sinnvoller als eine Komplettsanierung ist. In nichts anderes investieren wir seit Jahren so viel wie in die Schulen, das wird auf Jahre hinaus so bleiben müssen.